Beim Corona-Zuhörtelefon können Menschen über ihre Sorgen sprechen

Vor zwei Wochen ging das Corona-Zuhörtelefon an den Start. Wir haben mit Lisa Ullrich, eine der Initiatorinnen, darüber gesprochen, an wen sich das Angebot richtet und um welche Themen es dort geht.

Was macht ihr genau beim Corona-Zuhörtelefon?

Wir sind ein Zuhörtelefon für Menschen, die das Bedürfnis haben mit einer anderen Person gerne einmal zu sprechen. Vielleicht über den Alltag, über Probleme, Sorgen – Dinge, die diese Person gerade beschäftigen.
 

Wie kam euch die Idee zum Zuhörtelefon?

Die Initiative ist in der Corona-Solidaritäts-Gruppe in Freiburg entstanden. Da kam die Idee auf, neben den ganzen wirtschaftlichen und politischen Themen den Fokus auf psychische und seelische Thematiken zu lenken und darüber zu sprechen. Wir wollten gerne ein Angebot schaffen, dass das ganz unverbindlich und ohne große Barrieren möglich macht.
 

Wer steckt denn hinter dem Corona-Zuhörtelefon?

Wir sind mittlerweile rund 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen. Hauptsächlich sind wir aus dem sozialen und psychologischen Bereich, aber eigentlich sind wir eine ganz bunte Mischung.
 

Wie gewährleistet ihr die Qualität bei so einer bunten Mischung?

Die Qualität wird insofern gewährleistet, dass die Personen, die bei uns mitmachen, drei Workshops absolvieren: Im Bereich des aktiven Zuhörens, zum Zuhören am Telefon spezifisch und zu Corona-spezifischen Themen.
 

Ich rufe also an, sage ich habe Redebedarf und dann redet jemand mit mir?

Bei uns geht es einfach darum, dass wahrscheinlich viele Menschen im Moment Themen haben, über die sie gern sprechen würden. Wir wollen solchen Personen anbieten, mit jemandem zu sprechen, ganz unverbindlich, anonym und ohne große Barrieren. Einfach anrufen und dann vielleicht einfach über das was heute passiert ist, quatschen. Zusammen Schweigen geht natürlich auch (lacht).
 

Über welche Themen wird so im Durchschnitt gesprochen?

Ich würde sagen die Themen sind so verschieden wie die Menschen. Es kann eine ganze Bandbreite angesprochen werden. Von alltäglichen Problemen über Stress, Ängste, psychisch schwerwiegendere Probleme bis hin zu Einsamkeit oder Panik. Wichtig ist, dass jede Thematik bei uns willkommen ist und darüber gesprochen werden kann.
 

Wer ruft an?

Wir unterliegen der Schweigepflicht und außer bei Supervisionen, in denen über sehr schwierige Themen gesprochen wird, wissen wir somit eigentlich nichts über unsere Anrufer.
 

Eure Ziele beim Zuhörtelefon?

Unser Hauptziel ist es zu thematisieren, dass im Moment psychische und seelische Prozesse stattfinden können und dass es auch eine psychische Krise ist. Wir wollen einfach darauf aufmerksam machen, dass es auch psychische Problematiken, sowie Isolation und Einsamkeit geben kann, die trotzdem im Rahmen dieser Krise völlig normal sind.

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Fudder
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