Helfen und weiterhelfen

FREIBURG. Unter Freunden wurde Mitte März das Corona-Thema so angeregt diskutiert, dass man beschloss, die Diskussion weiter zu öffnen. Am 15. März startete die Gruppe „Corona-Solidarität“ auf Telegram und Facebook – eine Woche später war der kleine Kreis auf 1763 Teilnehmer angewachsen. Leute,die sowohl diskutieren, als auch was tun wollen.

Die Palette der Corona-Solidarität-Aktivitäten reicht weit, beschreibt Öffentlichkeitsarbeiterin Lea Krämer. Hilfe-Anfragen kommen per Telefon, über die Website, Facebook oder die Telegram-Gruppe.Dort finden sich Leute zu Aktionen zusammen. Ein Caterer zum Beispiel sucht hier Helfer, um Hilfsbedürftigen Essen zu kochen und zu verteilen. Und es wurden inzwischen zwei Gabenzäune wie an Gleis 8 am Hauptbahnhof eingerichtet: Zäune, an denen verpackte Lebensmittel und Hygieneartikel in Tüten zum Abholen aufgehängt werden können, für Wohnungslose. Denn zu den nun hilfsbedürftigen Nachbarn gehören auch Geflüchtete in Unterkünften und Wohnungslose,sagt Lea Krämer.Die 30-jährige Studentin hat eine Ausbildung im Pflegebereich – und schätzt an dieser großen quirligen Gruppe, dass sie sowohl konkretes Helfen organisiert, als auch ein Forum für lebhaften Austausch gibt.

Viele derjenigen, die sich bei Corona-Solidarität einbringen, erklärt Lea Krämer, sind bereits an anderer Stelle engagiert, machen sich zum Beispiel stark gegen Pflegenotstand, Wohnungsnot und prekäre Arbeitsverhältnisse. Das trägt dazu bei, dass sehr schnell nützliche Strukturen entstehen. Neben der Organisation von Hilfe-Angeboten für Bedürftige aufgrund der Corona-Krise diskutiert die Gruppe, welche politischen Fragen und Forderungen sich über die aktuelle Krise hinaus stellen, etwa, ob Sozial- und Sorgepakete sinnvoller seien als Konjunkturpakete.

Die Vernetzung mit anderen Hilfe-Angeboten ist ebenso geregelt wie die Pressearbeit, und dass auf allen digitalen Kanälen für Corona-Solidarität alles funktioniert, ist von Profis ehrenamtlich gecheckt. 200 Helferinnen und Helfer sind bereits registriert – die Einsätze sind nach Regeln organisiert: Helfer sollen nicht zu vielen verschiedenen Einsatzstellen gehen – möglichst auch nicht quer durch die Stadt zu ihren Einsätzen ziehen müssen. Egal, ob Einkäufe oder Betreuungen,überall in der Stadt sind die gemeldeten Helfer verteilt. Und die Vernetzung mit anderen Hilfe-Einrichtungen, Nachbarschaftshilfen, Kinderbetreuungsangeboten ist so gut, dass von hier aus auch gerne weitervermittelt wird, sagt Lea Krämer. – Corona-Solidarität ist montags bis freitags von 11 bis 13 Uhr erreichbar: t0761/48898764, alle Infos und Kontakte auf https://freiburg.corona-solidaritaet.de

Erstveröffentlicht am
Medium
Badische Zeitung