Unsere Grundsatzerklärung

Corona Solidarität Freiburg

Wir verstehen uns als Initiative der direkten Hilfe, um auf die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie und die sie begleitenden Maßnahmen zu reagieren – digital und vor Ort. Dabei begrüßen wir Maßnahmen, die die medizinische Versorgung sowie den Lebensunterhalt aller Menschen sichern und gewährleisten. Denn es zeigt sich, dass die Gesundheit und das Auskommen vieler gefährdet ist.

Corona Solidarität Freiburg ist eine Plattform. Wir sind dezentral organisiert. Wir bieten Unterstützung, wo der Staat es nicht tut. Wir dokumentieren, analysieren, fordern und streiten. Wir sind für das Ende einer Wirtschaftsweise, die Profit und das Wachstum aus Privateigentum in den Händen weniger konzentriert und über ein möglichst gutes Auskommen aller stellt.

Unsere Ziele

Corona Solidarität Freiburg will in Zeiten von Ausgehbeschränkungen gegenseitige Hilfe ermöglichen und Netzwerke der Solidarität herstellen - lokal, aber auch im Austausch mit Gruppen und Bündnissen in anderen Städten und Gegenden. Wir wollen - die aktuelle(n) Situation(en) beobachten, analysieren und dokumentieren - die Verschiebungen und Verschlechterungen von Lebensumständen, Gesetzeslagen oder Diskursen und den gesellschaftlichen Umgang damit kommentieren sowie dafür einstehen, dass alle Unterstützung finden und Absicherung bekommen. Insbesondere geht es uns um Menschen, die durch das sozialstaatliche Netz fallen. Hierzu wollen wir kollektive Selbstverantwortung stärken. Allen die schon immer und jetzt ganz besonders von sozialstaatlichen Einsparungen betroffen sind, weil sie sich in prekären Lebenslagen befinden, wollen wir besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung zukommen lassen. Gemeint sind Menschen, die in Sammelunterkünften und Lagern leben, weil sie auf der Flucht sind oder wohnungslos, sowie Geringverdiener*innen, Menschen, die auf Sozialhilfen angewiesen sind, Kinder, die armutsgefährdet sind, Senior*innen und Menschen mit Behinderungen, die im Alltag Unterstützung brauchen.

Wir wollen wirtschaftliche und staatliche Maßnahmen in dieser Krise dokumentieren und analysieren. Unserer Analyse stellen wir derzeit kursierenden Analysen gegenüber, die z.B. eine Verschwörung hinter dem Virus wittern, Wirtschaftswachstum über individuelle Gesundheit stellen und erfolgende Maßnahmen damit rechtfertigen, dass es dem Land gut gehen soll.

Dabei wollen wir uns nicht der Wissenschaft der Epidemiologie oder Virologie nähern – das überlassen wir den Wissenschaftler*innen aus diesem Feld, sondern unsere eigenen Erkenntnisse aus kritischen Überlegungen über die gesellschaftlichen Verhältnisse, auf die das Virus stößt, mit euch teilen. Wir wollen differenziert betrachten, welche Maßnahmen und Einschränkungen für die Gesundheit aller notwendig sind und ein genaues Auge darauf haben, wo Infektionsschutzgesetze zur Legitimation staatlich-autoritärer Maßnahmen, etwa polizeilicher Kontrollen und Überwachung, verwendet werden. Wir wollen diese Entwicklungen dokumentieren und veröffentlichen, weil wir befürchten, dass diese Einschnitte in die Grundrechte, etwa das Versammlungsrecht und den Schutz der Privatsphäre, in der Öffentlichkeit untergehen.

Grundprinzip Solidarität

Corona Solidarität Freiburg versucht, notwendige Hilfsmaßnahmen direkt und vor Ort zu organisieren -- dort, wo Staat, Länder, Kommunen eine Lücke lassen. Gerade die Schwächsten in dieser Gesellschaft sind auf diese Hilfe angewiesen, aber auch viele, die bislang nicht dachten, jemals von Einkommensausfall, erhöhter Ansteckungsgefahr oder verordneter Quarantäne betroffen sein zu können. Zugleich befinden wir uns in einer Situation, in der nur so wenig zwischenmenschlicher Kontakt wie möglich stattfinden darf. Doch viele haben gerade jetzt den Wunsch, ihren Mitmenschen beizustehen. Corona Solidarität Freiburg arbeitet an technologischen und organisatorischen Ideen, die das möglichst vielen ermöglichen können, ohne sich in Gefahr zu bringen.

Solidarität ist keine Einbahnstraße. Diese Gesellschaft ist hierarchisch strukturiert, und das nicht erst seit gestern. Nur wird die Ungleichheit gerade jetzt erschreckend sichtbar. Deswegen ist Solidarität gerade jetzt besonders wichtig. Denn hier soll kein System von Hilfsempfänger*innen und barmerherzigen Samariter*innen entstehen. Wir wollen eine Zivilgesellschaft stärken, die nicht nur brav humanitäre Hilfe leistet, sondern auch artikuliert, was alles gerade - und schon lange - falsch läuft, also die Ursachen von sozialer Ungleichheit bekämpft.

Wer kann mitmachen?

Wir sind offen für alle, die sich gemeinsam gegen die Auswirkungen der aktuellen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Krise organisieren wollen. Unsere Organisierung will sprachliche und nationale Grenzen überwinden und dem gesellschaftlichen und globalen Rechtsruck mit praktischer Solidarität im Alltag und einer theoretischen Analyse, dessen was vor sich geht, entgegenwirken.

Alle, die sich daran beteiligen wollen, sind dazu eingeladen sich mit ihren Fähigkeiten und Kapazitäten einzubringen!

Wo und wie mitmachen?

Innerhalb des Netzwerkes haben sich im Laufe der Zeit diverse Arbeitsgruppen und Angebote entwickelt.

Der Koordinationskreis untergliedert sich in folgende Arbeitsgruppen:

  • Telefon für Hilfegesuche
  • Öffentlichkeit
  • Arbeitsrechte
  • Design
  • Netzwerk lokal und bundesweit
  • Video
  • Wohnen/Mietrecht
  • Technik

aus der großen Telegram-Gruppe sind entstanden:

  • Gabenzaun
  • Keine*r bleibt allein - FLINT* only
  • Zuhörtelefon
  • Mundschutz
  • Nachbarschaftshilfe
  • Anti-Repression

Die Arbeitsgruppen arbeiten derzeit überwiegend selbstständig und entscheiden selbst über Neuzugänge und den Grad ihrer Organisierung im CSF-Netzwerk. Kontakt herstellen kann man über die große Telegramgruppe [https://t.me/corona_soli_fr]. Eine weitere Kontaktmöglichkeit bietet eine Mail an: freiburg@corona-solidariteat.de

Du hast selbst eine Idee oder arbeitest an einem Projekt und möchtest andere dazu einladen? Schreib einen Aufruf in die große Telegramgruppe!

Besonders toll ist es natürlich, wenn Nachbar*innen und Bewohner*innen eines Stadtteils gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Hier können auch gut Menschen einbezogen werden, die kein Smartphone nutzen oder nicht vollständig digital kommunizieren können oder wollen. Nimm Kontakt auf per Telefon, über Zettel im Flur, von Balkon zu Balkon oder über Nachrichten in Briefkästen, an Haus- und Wohnungstüren. Das hilft nicht nur gegen Einsamkeit, sondern stärkt auch den Zusammenhalt in Wohnhaus und Viertel. Berichtet uns von Euren Projekten!

Missstände artikulieren und voneinander lernen

Wir erwarten nicht, dass sich alle Menschen, die bei uns mitwirken, bereits intensiv mit politischen Themen auseinandergesetzt haben. Dennoch möchten wir dazu ermutigen, eine gemeinsame, auch kontroverse Debatte zu führen. Wir arbeiten auf der Grundlage einer Kritik daran, dass die Gesellschaft als konkurrierende Marktwirtschaft organisiert ist. Alle Lohnabhängigen spüren spätestens jetzt während der Krise auch am eigenen Leib was es bedeutet beständig seine Arbeitskraft verkaufen zu müssen. Warum das so ist, was man dagegen tun und wie man sich kritisch und kollektiv organisieren kann -- darüber wollen wir uns gemeinsam verständigen. Uns ist wichtig, dabei solidarisch miteinander umzugehen und voneinander zu lernen.

Während Corona - und darüber hinaus: Solidarität und Krise

Unser Ziel ist es, als Plattform die Krisenerscheinungen langfristig kritisch zu begleiten. Wir gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Situation weiter dramatisch verschlechtern wird. Menschen werden in Armutssituationen rutschen, ihre Jobs verlieren oder anderweitig negativ betroffen sein. Die Krise wird gesellschaftliche Spaltung und Ungleichheit zusätzlich vergrößern. Besonders gefährdet sind Menschen in Minijobs, in sozialen und pflegerischen Berufen, im Niedriglohnsektor, am Fließband, alleinerziehend ohne Möglichkeit auf Homeoffice, obdachlos oder auf der Flucht -- sie trifft die Krise um ein Vielfaches härter. Doch der Umstand, zum Bestreiten des Lebensunterhalts auf den Verkauf der eigenen Arbeitskraft angewiesen zu sein, betrifft letztendlich uns alle.

Gerade überschlagen sich die Ereignisse nahezu und es ist nicht einfach den Überblick zu behalten und sich Zusammenhänge zu erklären. Auch wir haben keine einfachen Erklärungen für die komplexen Geschehnisse zur Hand. Es ist uns aber sehr wichtig mitzuverfolgen und zu analysieren, was geschieht. Lasst uns deshalb gemeinsam darüber in Diskussion kommen, was diese Krise auszeichnet und wie wir ihren negativen Auswirkungen entgegentreten können!